Interview für: Entdeckt! den Amazon Autoren-Preis

Woher kommt Ihre Leidenschaft für das Schreiben?

Sie kam erst als ich schon schrieb. Zuerst war da die Idee, ein Buch zu schreiben. Einfach nur, um einmal etwas anderes zu machen, vielleicht einen neuen Weg zu gehen. Und als das Buch begann, Gestalt anzunehmen, immer mehr Ideen kamen, die Möglichkeit real wurde, dass dieses Buch ein Buch werden könnte, da war sie plötzlich da die Leidenschaft. Wie bei einem Teenager, der zum ersten Mal verliebt ist: Plötzlich eine ganz neue Welt.

Wie ist die Idee zu Ihrem Buch entstanden?

Das Thema war selbstverständlich. Ich war verliebt, ich wollte ein neues Leben und hatte Angst vor beidem. Das, was mir erst später gelang, erlebten meine Hauptdarsteller für mich.

 Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Zwei Jahre.

 Vor welche grossen Herausforderungen wurden Sie während des Schreibens gestellt?

In meinem Leben sind in der Zeit des Schreibens viele Dinge passiert. Teils wunderschön, teils traurig, und ich habe mich verändert. Es fiel mir oft schwer, meine eigenen Stimmungen nicht zu sehr auf die Hauptdarsteller zu projizieren. Und wenn es doch geschah, wurden viele Seiten gelöscht, und es ging wieder fast von vorne los.

Beschreiben Sie Ihr Buch in zwei Adjektiven.

Ehrlich. Aufrüttelnd.

Warum haben Sie sich für diese zwei Adjektive entschieden?

Ehrlich? Es hat mich aufgerüttelt und inspiriert, das zu tun, was die beiden Hauptdarsteller im Buch tun. Und das ist, ganz ehrlich, das beste was ich je getan habe.

Sie haben Ihr Buch über CreateSpace und Kindle Direct Publishing im Selbstverlag veröffentlicht. Was hat sie zu diesem Schritt bewegt?

Ich glaube, dieser Weg ist der ehrlichste Weg ein Buch zu veröffentlichen.
Und ich glaube, diesem Weg gehört die Zukunft, sowohl für Autoren als auch für Leser… auch wenn ich manchmal neidisch auf die PR-Maschinen der grossen Verlage blicke.

Welche Tipps würden Sie anderen Indie-Autoren geben, die sich nicht sicher sind, ob sie Ihr Buch veröffentlichen sollen?

Jedes Buch sollte veröffentlicht werden. Wenn es dem Autor gefällt, dann finden sich auch Leser, denen es gefällt. Einfach los!

Sierra Nevada

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Sierra Nevada und Madrid in 4 Tagen.

Es wird zum Trend.

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10 Rezensionsexemplare zu vergeben.

Falls Interesse besteht, einfach eine persönliche Nachricht an mich (Facebook oder erich.puedo@outlook.com) mit der Angabe, ob lieber e-book oder Taschenbuch.

Leseproben auf amazon oder auf dieser Seite

4Tage_Neuauflage_Cover-034Tage_Neuauflage_Cover-04

Inhalt:

Er auf der Suche nach dem großen Glück. Sie auf der Flucht davor. Sie treffen sich und reden. Sie reden für »4 Tage«. Sie reden über Freiheit, Sommer, Sonne, Wind und Surfen, über das Hier und Jetzt, ihre Leben zu Hause, über die Aussteiger um sie herum, sie reden über das Leben per se und am Ende reden sie über sich. Zwei Menschen und eine Geschichte auf der Suche nach dem ganz Großen.

Leseprobe

4 Tage – Ich bleib hier. Kommst Du mit? – Kapitel 3

Wo bin ich? Ah, in meinem Bett in meinem Appartement in Tarifa. Alles gut. Alles gut? Irgendetwas stimmt doch nicht. Kopfschmerzen. Nicht schlimm, aber eindeutig unangenehm. Das waren definitiv ein oder zwei Mojitos zu viel gestern. Was war das denn gestern eigentlich? Ich habe Nina geküsst. Mein Gott, ich habe Nina geküsst!!! Ich glaube es nicht. Ich habe sie geküsst! Na ja, eigentlich hat sie mich geküsst. Wir saßen nebeneinander am Strand und es war lustig. Wir haben uns einfach nur unterhalten, völlig unschuldig. Ich hatte wirklich Spaß dabei. Wir hatten Spaß. Spaß an einer völlig unschuldigen Unterhaltung am Strand. Und plötzlich lag sie auf mir und hat mich geküsst. Sie hat mich geküsst, ich konnte nichts dafür. Egal, es war gut. Es war richtig gut. Es war Nina. Nina! Es war richtig, richtig gut! Es war nicht nur richtig gut, es hat sich auch richtig angefühlt. Es war wahnsinnig aufregend. Und trotzdem irgendwie vertraut. Nur, es war zu kurz. Viel zu kurz. Aber wir haben uns geküsst. Ich habe Nina geküsst. Scheiße, und was jetzt? Danach hat sie den Strand ja fluchtartig verlassen. Und sie sah nicht glücklich aus. Sie war auf keinen Fall glücklich. Habe ich das alles provoziert? Bin ich zu weit gegangen? Redet sie heute nicht mehr mit mir? Wie soll das denn jetzt weitergehen? Also ich bin sicher nicht zu weit gegangen, denn sie hat ja mich geküsst. Aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Wir haben uns geküsst und die rein freundschaftliche Kite-Kumpel-Grenze ist eindeutig überschritten. Sie hat einen Freund. Und zwar seit Ewigkeiten. Und sie hat mich geküsst. Es war kurz. Es war kurz, aber es war zu lang, um jetzt einfach weiter zu machen, als wäre nichts gewesen. Nicht gut. Gar nicht gut! Was mache ich denn jetzt? Hole ich sie nachher einfach ab, fahre mit ihr zum Kiten und tue so, als wäre nichts gewesen? Die ganze Sache einfach ansprechen? Soll ich ihr erzählen, wie gut mir das alles gefallen hat? Dass das der Kuss meines Lebens war? Dass ich hin und weg bin? Dass ich mich über beide Ohren verliebt habe? Das kommt doch alles viel zu früh! Sie wird sich wegen eines Kusses sicher nicht von ihrem Freund trennen und den Rest ihres Lebens mit mir verbringen. Niemals. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll.

Wie spät ist es eigentlich? Acht. Gut. Ich habe noch zwei Stunden Zeit. Genügend Zeit, mir einen vernünftigen Plan zurechtzulegen. Also, was mache ich? Keine Ahnung. Ich hab’ einfach keine Ahnung!

Kann ich mich eigentlich an alles von gestern Abend erinnern? Habe ich noch irgendeinen Blödsinn gemacht und ich weiß es nicht mehr? Betrunken genug für einen kleinen Filmriss war ich wahrscheinlich schon. Und betrunken genug, um ausreichend Blödsinn zu machen, um die Sache mit Nina kaputt zu machen, war ich sicher auch. Waren wir wahrscheinlich schon. Hah, ist das die Lösung? Hat sie es vielleicht vergessen? Unwahrscheinlich. Erste Küsse vergisst man nicht, egal wie viel Alkohol im Spiel war. Aber wir könnten so tun. Einfach behaupten, ich könnte mich an nichts mehr erinnern. Glauben wird sie es wahrscheinlich nicht. Aber eine kleine Notlüge, um uns die Chance zu geben, einfach so weiter zu machen, wie gestern tagsüber. Ich will so weitermachen. Ich muss sie nicht küssen. Ich will sie einfach ganz in Ruhe kennen lernen. Ich will mit ihr reden. Na ja, ich will sie schon küssen. Aber nicht jetzt. Es passt einfach nicht. Sie braucht doch Zeit. Zeit, um mich kennen zu lernen. Zeit, etwas für mich zu empfinden. Das ist gar nicht gut gelaufen gestern. Überhaupt nicht schlau. Taktisch sehr unklug. Taktisch dämlich. Eine ausgesprochene taktische Meisterscheißleistung. Wahnsinnig dämlich. Warum musste sie mich denn küssen? Das macht alles verdammt kompliziert. Ohne den Kuss hätten wir uns ganz in Ruhe kennen lernen können. Einfach jeden Tag kiten gehen, abends einen Mojito an der Sundowner-Bar, nachts in den Gassen von Tarifa rumhängen und Tapas essen. Es gibt keinen cooleren und gleichzeitig romantischeren Ort auf der Welt. Es wäre so einfach gewesen. Sie hätte sich ganz langsam und ganz in Ruhe in mich verlieben können. Und jetzt weiß ich nicht weiter.

Der Filmrissplan wird nicht funktionieren. Ich kann zum einen nicht gut lügen und sie wird es zum anderen auch nicht glauben, wenn ich behaupte, ich könnte mich an nichts erinnern. Und umgekehrt, falls sie behaupten sollte, dass sie sich nicht erinnern kann, dann kann ich da auch nicht glaubhaft mitspielen. Will ich auch gar nicht. Ich habe keine Lust, ihr irgendetwas vorzuspielen. Jedes Gespräch würde einfach nur seltsam werden. Der Filmrissplan geht sicher nicht. Aber wie dann? Mann, ich weiß es einfach nicht.

Kann ich mich denn jetzt an alles erinnern, was gestern war, oder nicht? Jetzt, einfach mal der Reihe nach. Ganz in Ruhe und ganz chronologisch. Vom Strand sind wir zurück zu den anderen an die Bar. Da ist sicher nichts Schlimmes passiert. Small Talk, gute Musik, ein Mojito und ein Sonnenuntergang. Nina war ein Sonnenschein. Ihr Anflug von schlechter Laune, wegen ihrer Beichte, dass ihr Freund nicht weiß, wo sie aktuell ist, war sofort wieder verflogen. Zumindest äußerlich. Unser Grüppchen wurde zur Gruppe. Ich weiß nicht, ob es Ninas Ausstrahlung war, die alle anzog, oder ob es einfach Freunde von Nassar waren, die sich zu uns auf die Wiese setzten. Auf jeden Fall wurden unsere Gruppe immer größer und die Stimmung und der Mojito-Konsum kontinuierlich besser.

Nassar hat dann behauptet, dass man in Spanien nicht nur Mojito trinken könne, sondern auch was essen müsse, und hat ein Gruppen-Tapas-Essen in Tarifa organisiert. Die Schwedin war völlig aus dem Häuschen. Vier Freunde von Nassar, die ich nur vom Sehen und Grüssen vom Strand kannte, wollten mit. Nina und ich wurden gar nicht gefragt, ob wir wollten. Es war klar, dass wir dabei waren. Kurz nach Sonnenuntergang hatten wir dann unsere zweite gemeinsame Fahrt in meinem VW-Bus. Sie gehört einfach auf diesen Beifahrersitz! Er steht ihr. Oder sie steht meinem Beifahrersitz. Egal. Das Gespräch auf der Rückfahrt war sicher auch völlig harmlos. Wir haben über Kitesurfen und den Wind geredet, sind ein bisschen über die Schwedin hergezogen und der Blick über das roter und dunkler werdende Meer war der Hammer. In Tarifa hat sie mir geholfen, meine Schirme zu meinem Appartement zu bringen, weil ein Hobby-Macho das ja nicht alleine schaffen würde, meinte sie. Dann ist sie allein zu ihrem Hotel gegangen und ich habe sie eine halbe Stunde später frisch geduscht und extrem nervös, wie vor einem ersten Date, in ihrem Hotel abgeholt.

Sie sah sensationell aus. Sie hat dauergelächelt. Wir haben über alles, aber vor allem über nichts geredet. Es war entspannt. Es war lustig. Keine versehentlichen Problemthemen. Ihr Freund war weiter weg als tief schlafend in Australien. Es war einfach lustig und entspannt. Alkohol ist schon eine tolle Droge. An jeder zweiten Bar stand ein Schild mit ‘best Mojito in town’ und Nina war sich sicher, dass sie ja nicht alle recht haben konnten. Clever ist sie ja scheinbar. Aber sie wollte auf jeden Fall testen, welcher Barbesitzer denn nun recht hatte. Also haben wir getestet. Um zehn waren wir mit den anderen in meinem Lieblings-Tapas-Laden verabredet. Beim Essen saß sie am Kopf vom Tisch und ich am anderen Ende. Und ich fand das noch nicht mal schlimm. Ich musste mir zwar ganz bewusst Mühe geben, nicht zu häufig zu ihr rüber zu starren, aber immer wenn ich zu ihr geschaut habe, haben sich auch unsere Blicke getroffen. Soll heißen: Ganz uninteressiert kann sie zu dem Zeitpunkt nicht gewesen sein. Es war trotz Sitzordnung ein Superabend. In kurzen Hosen und T-Shirt auf einem kleinen Platz in der Altstadt von Tarifa, stundenlang Tapas essen. Ich war einfach ausgesprochen zufrieden. Mir haben sogar die Gespräche mit der immer noch namenlosen Schwedin Spaß gemacht. Nassar hat sie durchgehend versucht mit seinem Macho-Charme zu beeindrucken und ich hatte Riesenspaß daran, ihn dabei so unauffällig wie möglich zu unterstützen.

Im Nachhinein das beste an der Sitzordnung war, dass ich beim Essen sicher keinen relevanten Blödsinn erzählt habe. Denn falls doch, und ich mich nur nicht erinnern kann, dann haben nur Nassar oder die Schwedin den möglichen Blödsinn abbekommen.

So, aber nach dem Essen wird die Erinnerung eindeutig schwammig. Verdammt, richtig schwammig. Wir sind auf jeden Fall alle von einer Bar zur nächsten und von einem Mojito zum nächsten gezogen. Müssen ja gesund sein die Mojitos bei all den Minzblättern, war die allgemeine Meinung. Oh, die Szene in der… in der… in der Dings-Bar war auf jeden Fall peinlich. Ich stand neben Nina an der Bar und wir wollten die nächste Runde Mojitos bestellen. Die Bedienung war nicht besonderes schnell, aber ein absoluter Hingucker. Es war super, ihr beim ganz entspannten Mojitomixen zuzuschauen. Dann kam Nassar und stellte sich neben Nina und ich war erstmal raus aus dem Gespräch. Aber das war irgendwie in Ordnung. Ich war irgendwie zufrieden. Ich war glücklich. Ich war selbstsicher. Nassar war keine Bedrohung, er war einfach da. Er war sogar eine Bereicherung, denn irgendwie ist er ja wirklich lustig.

»Anarchie, ist was wir brauchen.«

War einer der ersten Sätze, die ich aufschnappen konnte.

»Was willst du? Anarchie am Strand von Tarifa?«

Nina war wohl auch etwas irritiert.

»Ja, genau Anarchie! Das wäre doch was. Ich bin der Kitelehrer und ich tausche ein bisschen Freizeitspass gegen ein bisschen ficken.«

Das hat er gesagt! Die Art von Anarchie funktioniert in Deutschland höchstens so: Tausche plumpe Anmache gegen Ohrfeige. Das kann nicht seine Masche sein, mit der er alle seine Kiteschülerinnen ins Bett bekommt. Das kann nicht sein. Aber Nina hat keine Miene verzogen:

»Nassar, du wirst ja richtig tiefgründig, wenn du voll bist.« , hat sie gesagt. Und ihn sogar dabei angelächelt. Kommen solche Sprüche doch bei Frauen an? Ich würde die Welt nicht mehr verstehen. Und für Nassar war Ninas ganz entspannte Reaktion auch völlig normal, er hatte mit keiner Ohrfeige gerechnet:

»Ich bin immer tiefgründig. Ich werde nur ein bisschen gesprächiger, wenn ich was getrunken habe. Und dann kommt meine Tiefgründigkeit besser raus.«

Na klar. Der tiefgründige Supermacho. Und dann hat er erst ihr zugezwinkert, sich dann über die Bar gebeugt und mir zugezwinkert. Bei jedem mitteleuropäischen Mann wäre dass ein eindeutiger Annährungsversuch gewesen, bei Nassar wirkte es einfach völlig normal:

»Holger, kennst du Iria schon?«

»Was?«

»Kennst du Iria schon?«

»Wen? Die Bedienung?«

»Ja, genau. Die ist der Wahnsinn. Die schönste Bedienung in ganz Tarifa.«

Wollte er nett zu mir sein oder Nina eifersüchtig machen? Wollte er mich mit der Bedienung verkuppeln, damit er freie Bahn bei Nina gehabt hätte? Keine Ahnung.

»Ja, sieht super aus.«

War meine logische, bedeutungslose Antwort.

»Die wäre doch was für Dich. Sie spricht deutsch. Und FRANZÖSISCH kann sie auch.«

Und das war mir selbst in meinem deutlich angeheiterten Zustand dann doch zu flach. Obwohl. Wahrscheinlich war es mir nicht zu flach, sondern nur peinlich vor Nina. Eingefallen ist mir auf jeden Fall nichts Besseres als ein verbrüderndes:

»Na also! Was will man mehr?«

Und dann hat Nina zum ersten Mal die Augen verdreht. Iria, die schönste Bedienung in ganz Tarifa, schaute ziemlich aufmerksam, aber mit undefinierbarem Gesichtsausdruck in unsere Richtung.

»Jungs, ihr müsst aufpassen, Iria hat ziemlich gute Ohren.«

Wollte Nina uns warnen.

»Ja genau. Sie hat riesige OHREN. Die besten in ganz Tarifa.«

Sprach Nassar und hielt sich die Hände an seine eigenen, imaginären Brüste mit einem der breitesten Grinser im Gesicht, die ich bei ihm bislang gesehen habe. Natürlich habe ich ihm freundschaftlich zugestimmt, wie man das halt so macht, wenn der Alkohol wirkt. Nina und Iria haben Blicke ausgetauscht, die nichts anderes heißen konnten, als:

»Männer! Was für Idioten!«

Und dann hat Nina, uns ignorierend, mit dem freundlichsten Lächeln der Welt bestellt:

»Du, Iria. Es tut mir wirklich leid, ich kenne die beiden Machos hier eigentlich gar nicht. Aber würdest du uns trotzdem drei Mojitos machen?«

Also, eindeutig nicht optimal gelaufen, die Szene in der Bar. Aber den schwarzen Peter hat eindeutig Shakka-shakka-Nassar. Ich konnte für die Nummer mit den riesigen «Ohren« nun wirklich nichts. Und danach liefen die Gespräche, glaube ich, auch wieder eindeutig weniger flach und machomäßig. Und definitiv weniger unter der Gürtellinie. Ich kann mich sonst auch an nichts Schlimmes erinnern.

Kurz danach standen wir ja auch schon auf der Tanzfläche.

Nina war betrunken. Nicht schlimm. Aber eindeutig betrunken. Sie stand ziemlich sicher auf den Füssen. Wenn sie mir irgendetwas ins Ohr schrie, um lauter als die Musik zu sein, dann war da kein Lallen. Sie redete oder schrie ziemlich normal. Sie war aber auffallend leicht zu erheitern, hatte einen leicht wirren Blick und ihre Stimme wurde, obwohl sie nicht rauchte, etwas kratziger – ihre Stimme war pure Erotik. Ihre Haare wurden verwuschelter mit jeder Minute auf der Tanzfläche und gaben ihr diesen gewissen Schlafzimmer-Look. Dazu noch ein paar ganz winzige Schweißperlen auf der Stirn. Sie war ein Traum – zumindest war sie mein Traum. Wir tanzten ewig. Ich glaube, die anderen fingen zu dem Zeitpunkt langsam an zu tuscheln, ob sich da zwischen uns etwas anbahnte. Normalerweise ist mir so etwas unwahrscheinlich unangenehm. Ich werde ja immer unlocker, wenn ich mich beobachtet fühle. Aber Ninas Unbekümmertheit und der Alkohol ließen mich ziemlich entspannt bleiben. Ich glaube, ich war echt cool. Äußerlich zumindest. Obwohl, zu dem Zeitpunkt waren mir die anderen aber auch wirklich egal. Wir tanzten und tanzten. Sonst bin ich ja ein ähnlich begnadeter Tänzer, wie ich ein textsicherer Pippi-Langstrumpf-Lied-Sänger bin. Aber dank Nina und mit der ausreichenden Dosis Mojito war ich ausgesprochen zufrieden mit meiner Performance. Und so, wie ich Ninas Blicke in Erinnerung habe, war sie weder irritiert, noch peinlich berührt. Sie hat mir einfach in die Augen geschaut und sie sah glücklich und zufrieden aus. Habe ich sie angefasst? Nein oder? Ich wollte sicher. Ein paar zufällige Berührungen, wenn irgendjemand sich den Weg zur Bar rempelte. Aber definitiv keine peinlichen Lambada-Samba-Begattungstanzversuche. Sehr gut. Sehr gut. Ich habe nichts verbockt. Ich bin mir fast sicher.

Und es war gut. Wir haben harmoniert. Wir hatten Augenkontakt. Hatten irgendwie den gleichen Rhythmus. Fanden die gleichen Lieder sensationell und die gleichen Lieder blöd. Getanzt haben wir zu allem. Und gut! Die Theorie, dass wenn man auf der Tanzfläche harmoniert, dann harmoniert man auch im Bett, fiel mir ja zum Glück erst wieder ein, als ich schon alleine im Bett lag. Sonst wäre es wahrscheinlich schon dann um meine selbstsichere Entspanntheit geschehen gewesen.

Die anderen waren irgendwann einfach weg. Die namenlose Schwedin war die einzige, die sich verabschiedete, mit der Ausrede sie müsse ihren Muskelkater bis morgen unbedingt kurieren, damit sie wieder kiten könne. Langweilerin. Nassar hatte ich irgendwann mit einer unbekannten blonden Schönheit an der Bar flirten gesehen und dann war er weg. Und auch der Rest der Gruppe war irgendwann einfach verschwunden.

Nina wollte dann mal kurz aus der Menge raus, bestellte Wasser und dann war klar, dass der Abend zu Ende gehen würde. Wir standen in den immer noch vollen Gassen der Altstadt und wurden ein bisschen nüchtern, zumindest fühlte es sich so an. Ich war eindeutig fertig, aber ein gutes körperliches Gefühl von fertig. Sie wollte dann noch kurz zum Strand.

»So eine laue Sommernacht muss man am Strand ausklingen lassen.«

Es war ihre Idee. Aber gewehrt habe ich mich sicherlich auch nicht.

Und von da an werden die Erinnerungen auch wieder scharf. Ich glaube, ich kann mich an jedes Wort erinnern. Ich muss wieder relativ nüchtern gewesen sein. Aber sie wahrscheinlich nicht.

»Ich bin müde.«

Und das war kein Vorwand meinerseits, ich war wirklich müde.

»Ich bin eigentlich auch viel zu müde, um noch weiter zu feiern und noch mehr Alkohol ist, glaube ich, auch keine gute Idee.«

Ich hab’ ihre Stimme im Ohr als läge sie hier neben mir im Bett. Ob kratzig oder nicht, einfach schön.

»Warum sind wir nicht mit den anderen nach Hause gegangen?«

»Ich weiß gar nicht, wann sie gegangen sind.«

»Ich auch nicht.«

»Und ich wollte auch noch nicht nach Hause.«

»Ich auch nicht.«

»Gehen wir noch zum Strand? So eine laue Sommernacht muss man am Strand ausklingen lassen.«

Sie hat das ganze angezettelt. Sie wollte mit mir zum Strand. Nicht, dass ich nicht wollte, aber sie hat es vorgeschlagen.

»Nachts an den Strand? Im Sommerurlaub?«

»Na sicher. Das wird super.«

»Mit ein ganz bisschen Alkohol im Blut? An den Strand? Du willst knutschen! Und das gibt es nicht!«

Das habe ich wirklich gesagt! Scheiße. Ich habe das Wort »knutschen« als erster in den Mund genommen. Aber ich habe sie gewarnt. Und sie wollte trotzdem zum Strand.

»Jetzt bleib mal locker. Gehen wir zum Strand?«

»Ich hab’ dich gewarnt.«

Genau, ich habe sie gewarnt.

«Aber zum Strand können wir gehen. Holen wir uns noch ein Gute-Nacht-Bier beim 24-Stunden-Supermarkt?«

»Suffnase!«

»Nach dem Abend kommt es auf ein Bier mehr oder weniger auch nicht mehr an.«

»Machst du dir manchmal Sorgen, dass du ein Alkoholproblem hast?«

»Das fragst du mich? Auf siebzehn Promille?«
»Ich bin im Urlaub, außerdem fühle ich mich schon wieder völlig nüchtern. Höchstens noch zwölf Promille. Aber du, Herr Suffnase, bist schon seit fünf Wochen hier im Urlaub und sprengst dir deine hübsche Schädelkalotte wahrscheinlich jeden Abend.«

»Ich gebe mein bestes. Und, ich mache mir auch Sorgen.«

»Dann tu’ was dagegen und verführe nicht unschuldige kleine Touristinnen zum romantischen Dosenbier vom Supermarkt«

»Ich bin im Urlaub, ich muss das tun.«

»Ja, klar.«

»Mein Gehirn funktioniert einfach viel klarer, wenn ich ein bisschen einen drin habe. Und ich bin so lustig.«

»Ach lustig also? Mach’ mal einen Witz.«

»Ich kann keine Witze.«

»Na, du bist ja ein Lustiger und das trotz so viel Alkohol.«

»Ja, genau.«

»Mach’ es dir mal nicht zu einfach«

»Also gut. Kommt ein Mann zum Arzt. Sagt der Arzt: ‘Guter Mann, Sie müssen aufhören zu onanieren.’ Sagt der Mann: ‘Wieso?’ Sagt der Arzt: ‘Weil ich Sie so nicht untersuchen kann.’«

Ein müdes aber trotzdem unglaubliches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

»Vielleicht solltest du noch ein bisschen mehr trinken, vielleicht geht dann noch was mit dir und deiner Witz-Performance.«

»Hartes Urteil. Gut ich nehme ein großes Bier.«

Wir waren am 24-Stunden-Supermarkt. Nicht nur meine Witz-Performance, sondern auch mein Gentleman-Getue schienen zu dem Zeitpunkt schon stark zu leiden, denn ich hatte gerade ein großes Dosenbier bei Nina bestellt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, entweder war ihr das völlig egal oder sie hatte es in ihrem Zustand nicht bemerkt. Auf jeden Fall kaufte sie zwei große Dosenbier für uns und wir liefen noch relativ gerade und aufrecht durch die letzten paar Gassen der Altstadt und waren am Strand.

»Und nun?«

»Ans Wasser.«

»Nackt baden?«

»Man unterscheidet: ans Wasser von ins Wasser.«

»Ah, wusste ich nicht.«

»Und da hier Kussverbot besteht, besteht auch Nacktbadeverbot.«

»Sagt wer?«

»Ich.«

»Und wer bist du?«

»Ich? Nina. Ich bin hier Kapitän!«

»Kapitän? Kapitän von der ganzen Welt oder was?«

»Na, von meiner zumindest.«

»Und ich, der kleine Matrose, soll mit durch deine Welt segeln?«

»Du musst ja nicht.«

»Will aber.«

Oh, oh. Das habe ich gesagt.

»Willst was?«

»Ach nichts.«

Und nicht wirklich überzeugend rausgeredet.

»Will er also nur ein bisschen am Strand sitzen?«

»Ja, genau.«

»Ja, genau. Ist aber auch schön hier.«

»Ist es wirklich.«

War es wirklich.

»Was bist du denn für ein Sternzeichen?«

»Gehen uns jetzt die Small Talk-Themen aus oder interessiert dich das wirklich?«
»Gute Gegenfrage. Ne, interessiert mich eigentlich nicht. Hab’ nur gerade in die Sterne geguckt und da lag es auf der Hand.«

»Siehst du da oben was?«

»Also erkennen tue ich nur den großen Wagen und Orion.«

»Wer ist Orion?«

»Jetzt nagel mich nicht fest, aber ich glaube auf englisch heißt Orion…«

»Gibt es eigentlich auch negative Freud’sche Versprecher?«

»Was? Nein, die gibt es nicht. Also nagel mich jetzt bitte fest.«

Oh, das habe wohl ich gesagt.

»Holger! Nageln ist zwar keine besonders romantische Bezeichnung für die körperliche Liebe, aber es gehört in die gleiche Liga wie Knutschen. Und all das ist hier verboten!«

»Und ich dachte, das wäre ein Aufstieg vom Knutschen zum Nageln.«

»Kannst du etwa nicht knutschen?«

»Was? Wieso soll ich nicht knutschen können?«

»Na weil Knutschen und Nageln bei dir nicht in einer Liga spielen. Also muss dein Knutschen schlechter sein.«

»Logisch.«

»Siehste.«

Gut, wer wirklich die Verantwortung trägt für den Inhalt dieses Gesprächs, weiß ich nicht. Aber ich habe wenigstens versucht, das Thema wieder zu wechseln:

»Ne, schöner Einwurf deinerseits. Wir waren bei meinen astronomischen Ausführungen zum Orion. Also da oben siehst du ein großes Viereck.«

»Was? Wo?«

»Da das große Viereck. Die vier hellen Sterne da.«

»Da sind hunderte große Vierecke.«

»Nun warte doch mal kurz. Also – und nagel mich jetzt bitte fest – also, auf englisch heißt Orion ‘Ritter’.«

»Schönes englisches Wort: Ritter!«

»Ruhe jetzt. Ich dachte, du wärst zu betrunken für das Wort ‘knight’, deswegen hab’ ich es dir der Einfachhalt halber gleich wieder zurück übersetzt.«

»Ist ja auch viel zu dunkel hier am Strand für ‘night’.«

»Jetzt Schnauze verdammt.«

»Moment mal! Ich bin immer noch eine Dame. So kannst du nicht mit mir reden.«

»Eine Dame mit einem Büchsenbier und zwölf Promille.«

»Das Büchsenbier, das ich mir selber kaufen musste, weil mein Sparfuchsbegleiter sich gedacht hat, wer nicht küssen darf, muss auch nicht zahlen.«

Hatte sie wohl doch aufgepasst im 24-Stunden-Supermarkt.

»Zurück zum Ritter.«

»Ne, klar. Bloß nicht auf meine Klagen und Probleme eingehen. Referiere du nur über die Sterne.«

»Abgemacht. Also der Ritter…«

»Ach, ein Ritter. Die einzigen Männer mit Anstand und Moral stehen heute wohl nur noch in den Sternen. Und sicher nicht im 24-Stunden-Supermarkt.«

»Also, der moralische Herr Ritter oder ‘knight’ hat einen Gürtel, um daran sein Schwert festzumachen.«

»Geil.«

»Nein, nicht geil, sondern diese leicht schräg nach unten verlaufende Linie zwischen den vier großen Sternen.«

»Wo?«

»Da.«

»Wo?

»Da.«

»Ich glaube, du erzählst Mist.«

»Ich glaube, du siehst zu viele Sterne, Suffnase.«

»Ich glaube, du bist mir ein kleiner Witzbold.«

»Richtig.«

»Und was ist der Herr Witzbold jetzt für ein Sternzeichen.«

»Löwe. Und Frau Suffnase?«

»Löwe? Quatsch, Löwe. Hätte dich eher für ne kleine Mickey Maus gehalten.«

»Mickey Maus ist weder ein Sternzeichen noch ein Kompliment.«

»Ach, mich das Dosenbier kaufen lassen und dann noch Komplimente wollen? Ganz schön anspruchsvoll, der Herr Löwe.«

»Du kannst auch Herr Ritter zu mir sagen.«

»Du spinnst wohl. Du ein Ritter? Ich glaube ich muss kotzen… ich glaube ich muss brechen.«

»Willst du das nicht lieber zu Hause machen? Ich muss ins Bett.«

Und ich wollte den Abend abbrechen! Ich wollte ins Bett. Und zwar vor dem Küssen.

»Weichei.«

»Wir gehen Morgen kiten! Mir müssen irgendwann mal ins Bett.«

»Alkoholsüchtig und kitesüchtig.«

»Immer schön nett bleiben.«

»Wer nicht ficken will, muss auch nicht nett sein.«

Und das hat sie gesagt!

»Wirst du eigentlich ein bisschen vulgär, wenn du betrunken bist?«

»Vielleicht ein bisschen.«

»Muss man sich manchmal schämen in der Öffentlichkeit mit dir?«

»Nein, vulgär werde ich nur im Kreise meiner Liebsten.«

»Na, da haben die aber Glück. Bin ich also im Kreise deiner Liebsten, Liebste?«

»Nein.«

»Du machst keinen Sinn mehr.«

»Klar mache ich Sinn, du hast einfach eine lange Leitung.«

»Hör mal, Suffi. Ich habe keine lange Leitung, du bist einfach nur betrunken.«

»Keine lange Leitung?«

»Nein!«

»Eine kurze Leitung? Schlimm kurz? Schlimm kurz, der kleine Holger?«

Selbst das habe ich vorbildlich versucht zu überhören. Und das war schwierig bei dem herausfordernden Augenaufschlag, den sie mir zuwarf. Ich hätte aber auch nicht gewusst, wie ich mein Geschlechtsteil, also ihren ‘kleinen Holger’ oder die ‘kurze Leitung’ hätte verteidigen sollen:

»Das Gegenteil von einer langen Leitung ist nicht die kurze Leitung. Das Gegenteil von langer Leitung ist irgendetwas wie intelligent, eloquent, …«

»Klar ist das Gegenteil von einer langen Leitung eine kurze Leitung. Nur wollen das die meisten Männer nicht wahrhaben. Bei den Männern heißt es dann immer, auf die Technik kommt es an und all der Quatsch. Wir Frauen sagen dazu einfach: ‘kurze Leitung’. Deswegen ja auch der Spruch: Dumm fickt gut. Das liegt nämlich nur an der langen Leitung.«

»Klar, das macht Sinn!«

»Ja.«

Ein triumphierendes, glückliches und unschuldiges Lächeln in ihrem Gesicht.

»Aber du bist vulgär, wenn du voll bist. Zwar lustig vulgär, aber wenn ich dich meinen Eltern vorstelle, bekommst du keinen Schluck Alkohol.«

»Ach bitte, das Leben ist so viel entspannter mit Alkohol.«

»Keinen Schluck, bekommst du.«

»Einen ganz kleinen Schluck aus einer ganz kurzen Leitung.«

»Nina…«

»Holger…«

»Nina, du bist ein bisschen versaut und ein kleines bisschen vulgär auf Alkohol.«

»Und?«

»Mir gefällt es.«

»Und?«

»Meine Mutter wäre schockiert.«

»Und du wirst zum Muttersöhnchen, wenn du was getrunken hast. Zum ersten Mal in deinem Leben sitzt eine wunderschöne Frau nachts neben dir am Strand, nimmt das Wort ‘schlucken’ in ihren zuckersüßen Mund und was machst du? Du denkst an Mutti?«

»Na hör’ mal. Wunderschöne Frau mit zuckersüßem Mund? Zum ersten Mal in meinem Leben darf ich neben so einer Frau sitzen? Da unterschätzt du mich und die Länge meiner Leitung aber…«

Und dann war sie über mir. Ich bin fast zwei Meter groß und wiege so um die 90 kg. Sie die gefühlte Hälfte von dem. Eben saßen wir noch relativ unschuldig am Strand nebeneinander. Im nächsten Moment hatte sie sich auf mich geworfen und küsste mich. Das passierte so schnell oder meine leicht benebelten Sinne registrierten es einfach zu langsam. Ich habe kaum reagiert, glaube ich. Ich wurde einfach geküsst. Und bevor ich realisierte, was da wirklich gerade passierte, war es auch schon wieder vorbei. Sie saß wieder neben mir und starrte auf’s Meer. Und da war kein Lächeln mehr.

»Oh.«

War alles was sie sagte. Und besser hätte ich es nicht beschreiben können. Nur sagen konnte ich nichts mehr.

»Sag’ irgendetwas.«

Der Ton in ihrer Stimme war ein völlig anderer. Da war keine vulgär, neckende, angetrunkene Lebenslust mehr in ihrer Stimme. Da war nur noch völlig nüchterner Ernst. Vielleicht sogar Angst. Der Ton machte mir auf jeden Fall Angst. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, Hauptsache nichts falsches. Ich hab’ es dann mit einem »Oh.« probiert. Mehr hatte sie ja auch nicht geschafft.

»Ja. Oh, oh…! Entschuldigung, das wollte ich nicht.«

»Brauchst dich nicht zu entschuldigen.«

»Ach scheiße, was mache ich denn?«

»Alles gut!«

»Nichts ist gut. Ich habe dich geküsst. Das geht nicht. Das darf ich einfach nicht.«

»Ich finde du durftest.«

»Ja du! Ich durfte aber sicher nicht.«

»Solange er nicht fragt am Telefon, musst du ja nichts sagen.«

Und da war mein erster richtiger Bock. So etwas darf einfach nicht rausrutschen. Das war wie ein Schlag in ihr Gesicht. Auch nicht betrunken darf mir so etwas passieren, zumindest nicht bei Nina.

»Jetzt verarsch mich nicht. Ich mache so was nicht. Ich küsse keine fremden Männer, auch nicht, wenn ich betrunken bin. Ich mache so was einfach nicht.«

»Okay.«

»Nichts ist okay. Das ist scheiße. Das ist richtig scheiße.«

Sie war kurz vor’m Durchdrehen. Da war Panik in ihrer Stimme.

»Wir vergessen es einfach.«

Es war gestern schon meine beste Idee.

»Einfach vergessen?«

»Ich war betrunken, ich kann mich ja jetzt schon kaum noch daran erinnern.«

»Scheiße.«

Und sie war gestern schon nicht überzeugt. Ich sagte nichts mehr.

»Scheiße. Lass’ mal nach Hause gehen.«

»Ich bring dich.«

»Danke.«

Da war so viel Verzweiflung in ihrem ‘Danke’. Und ich wusste nicht, wie ich helfen konnte. Wir sagten so gut wie nichts auf dem Weg zu ihrem Hotel. Man konnte ihre Gedanken fast hören wie sie sich im Kreis drehten. Sie sah verzweifelt aus. Und ich fühlte mich genauso. Was so ein Kuss doch bewirken kann. Ich schmeckte sie noch auf meinen Lippen. Ich wollte mehr davon, aber das stand nun wirklich nicht zur Debatte. Vor ihrem Hotel drehte sie sich zu mir und schaute mir noch einmal in die Augen, aber nur für eine Sekunde. Dann fiel ihr Blick irgendwo auf meine Brust.

»Holst du mich morgen ab?«

Wenigstens wollte sie mich nicht gleich aus ihrem Leben werfen. Und das trotz Suff und Verzweiflung.

»Klar hol ich dich ab.«

»Um 10?«

»Ja.«

»Danke. Bis morgen«.

Sie gab mir noch einen Kuss auf die Wange, drehte sich zum Gehen und murmelte noch ein »Entschuldigung.«

Dann war sie in ihrem Hotel.

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